ZYDECO ANNIE

von WPfohl

Artikel aus www.country-mag.de Fotos & Bericht: Wolfgang J. S. Weiher

ÜBERSCHÄUMENDE LEBENSFREUDE AUS LOUISIANA - LAISSEZ LES BON TEMPS ROULER
Überraschung im ALTEN BAHNHOF ANDERTEN

Ich staunte nicht schlecht, als wir fünf Minuten vor Spielbeginn herein kamen zu Inge und Rolf,den langjährigen Wirtsleuten im Alten Bahnhof Anderten an Hannnovers südöstlicher Stadtgrenze und geradewegs auf den runden Tisch neben der Bühne zugingen, wo die ganze Truppe saß. Diese liebenswerten Künstler, die sich auf ihre Fahnen geschrieben haben, mit ihrer Musik die überschäumende Lebensfreude LOUISIANAS des amerikanischen Südens hinaus in die Welt zu tragen. Ein Wiedersehen nach fast zwei Jahren mit Anja Baldauf alias ZYDECO ANNIE (one row and other accordions, piano, vocal), ROLF BERGER (percussion, bouzouki, vocal), JENS OHLY (double bass, vocal), STEFAN BALDAUF (drums, vocal) und einem Mann, bei dem ich im Moment der Begrüßung doch Schwierigkeiten hatte, ihn richtig einzuordnen - bei den vielen Menschen, die ich innerhalb der letzten Jahre in unserem Musikgeschäft schon so kennengelernt hatte. War das nicht der Boss dieser rockig-countrymäßigen Formation, die sich HILLBILLY DELUXE nennt und die in den vergangenen Jahren so manchen Preis auf der einen oder anderen COUNTRY MUSIC MESSE abgeräumt hatten? Genau, sein auffallendes Cap hatte sein Aussehen doch verändert: es war Mister RUFUS T. aus Köln (guitars, vocal), der sich hier und heute als Kenner, Könner und begeisternder Freund des Zydeco und der Cajun Music präsentierte. Seit zwei Jahren nun schon macht er bei Annie mit.
 

‚Wolfgang, diese Musik hat mich schon immer fasziniert, ich habe früher schon eine Band gehabt, in der wir mehrere Jahre genau diese Musik gespielt haben; und als sich die Gelegenheit ergab, habe ich zugeschlagen!‘ Fantastisch! Jetzt waren es gerade noch fünf Minuten bis zum Auftritt, alles ging ganz schnell, und pünktlich starteten ZYDECO ANNIE & SWAMP CATS (sprich: ‚swommp) mit ihrem Konzert der Lebensfreude, oder, wie sie es nennen ‚a musical journey through Louisiana‘ und nahmen dabei ihre Gäste mit auf die Reise!
Fünf CDs haben sie während der vergangenen mehr als 10 Jahre produziert: die 1. ‚ZYDECO GROOVE‘ 2007, die 2. ‚CLEARLY’ im Jahre 2009, die dritte im Jahre 2010:‚LA PORTE (en arrière), 2013 dann die vierte GRIS GRIS und im vergangenen Oktober anlässlich ihres 10jährigen Bühnenjubiläums nun die fünfte ‚LIVE AT THE MAINSTATION‘ (Mannheim) mit großer Feier und Sekttaufe. Wohl aus allen diesen brachten sie an diesem Abend Songs wie z. B. ‚La Porte‘ oder auch ‚Parlez Nous A Boire‘ und auch ‚You Are My Sunshine‘!
 

An diesem Abend im Alten Bahnhof hatten sie eine Power, einen unbändigen Drive, versprühten eine Lebendigkeit und Fröhlichkeit, tanzten, sangen, zu zweit, zu dritt, zu viert, wechselten die Instrumente von Stück zu Stück, präsentierten auch neue, wie Rolf die irische(!) Bouzouki, bewegten sich im Kreis und das alles mit beständigem Lächeln. Lebensfreude pur eben, die sich nach und nach dann auch auf‘s Publikum übertrug, das überwiegend brav lauschte, auch mal Fotos schoss oder immer wieder lang anhaltend applaudierte; hin und wieder aber auch mal aufstand oder vor Begeisterung kreischte. Das I-Tüpfelchen, das eine oder andere Tänzchen jedoch, blieb, zumindest während meiner Anwesenheit, aus.
Jetzt hätte eigentlich nur spärliches, gedämmtes Licht im Raum gefehlt, das eine oder andere im leichten Wind schaukelnde Lämpchen vor der Tür vielleicht, die Schwüle des amerikanischen Südens, die flirrende Luft der allmählich nachlassenden Schwüle der Nacht, die bunten Farben der Bekleidung der sich im Rhythmus der Musik bewegenden eng umschlungenen Monsieurs et Madames oder Mademoiselles mit ihren ‚cher amis‘ gefehlt und die Illusion wäre perfekt gewesen: ein ganz normales, kleines berauschendes Fest wie eigentlich zu jedem ‚fin de semaine‘ in einer der vielen kleinen Lokalitäten am Ortsrand, weit draußen am Rande der Swamps von Louisiana und dem Gesang von Trillionen ‚des grillons‘! Man darf ja weiterträumen, oder?
Es war ein solch genialer Abend, wie man ihn eher selten erlebt, und ich denke mal, jeder Besucher hat (s)einen Teil davon auf seine Art erlebt und vielleicht sogar im Herzen mitgenommen.

Fotos & Bericht: Wolfgang J. S. Weiher

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