Jimmy Reiter Band

von WPfohl

Artikel aus www.rocktimes.de von Jürgen Bauerochse

 

Jimmy Reiter Band / 18.10.2014, Alter Bahnhof, Anderten

Jimmy Reiter Band
Alter Bahnhof, Anderten
18. Oktober 2014
Stil: Blues
Konzertbericht



Artikel vom 30.10.2014


Jürgen Bauerochse


Es ist schon erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht. So ist es schon über ein halbes
Jahr her, dass das RockTimes-Team in einer der gemütlichsten, für uns DER gemütlichsten,
Musikkneipen der Region zu Gast war. Der Alte Bahnhof in Anderten war mal wieder
angesagt, der mit seiner heimeligen Atmosphäre die ideale Location für Konzerte im
kleinen Rahmen darstellt. Zuletzt hatten wir uns beim ersten Acoustic-Gig der deutschen
Rocklegende Epitaph davon überzeugen können, wie sehr sich dieser enge Club mit
seiner kleinen Bühne gerade für diese Art von Konzerten eignet. Dieses intime Flair
und der unmittelbare Kontakt zu den Musikern sind einfach einmalig und nicht zu toppen.

Und das wissen wohl auch die Musiker zu schätzen. Denn wirft
man mal einen Blick auf die Bands, die hier schon zu Gast
waren, so entdeckt man solche Namen wie
Jutta Weinhold,
B.B. & The Blues Shacks, Zed Mitchell und Kai Strauss, um
nur einige zu nennen.Leute also, die ansonsten in größeren
Locations auf der Bühne stehen, sich aber diese Auftritte im
kleinen, intimen Rahmen nicht nehmen lassen und auch gerne
immer wiederkommen, wenn sie erst einmal eine Show in
Anderten gespielt haben. Es hat schon was Besonderes, dass
links und rechts auf gleicher Höhe Tische neben der Bühne stehen und sich die Theke so nah an den
Musikern befindet, dass sie sich quasi beim Spielen mit Getränken
versorgen können, ohne ihren
angestammten Platz zu verlassen.


An diesem Samstagabend war nun die Jimmy Reiter Band zum
ersten Mal im Bahnhof zu Gast, und schon beim Soundcheck
ließ sich der Blueser aus Osnabrück von der speziellen
Atmosphäre anstecken und begeistern. Die Band brannte
förmlich darauf, hier zu spielen, was sie auch in den zahlreichen
Gesprächen mit dem Publikum immer wieder betonten. Und
auch während der Show merkte man ihnen diese Spielfreude
förmlich an. Dieses direkte Kommunizieren mit den Zuhörern
ist eben auch für gestandene Musiker etwas sehr Schönes. So fabrizierte das Quartett
auf der engen Bühne im recht gut gefüllten Bahnhof ein zweiteiliges Set von 145 Minuten,
das wieder sehr abwechslungsreich gestaltet wurde, und das ohne viel Bewegungs-
freiheit. Aber die braucht die Jimmy Reiter Band ohnehin nicht. Sie überzeugt rein
musikalisch, ohne große Showeffekte.            

Gespannt waren wir diesmal besonders auf den Keyboarder
Fabian Fritz, der Moritz Fuhrhop vertrat, der ja bekannterweise
Henrik Freischlader auf seiner Abschiedstour begleitet.

Und, um es gleich vorweg zu nehmen, er machte seine Sache
perfekt, ergänzte sich prima mit Jimmys Gitarre und seine
Soloeinlagen waren zum Zungeschnalzen. Dazu kamen einige
sehr hörenswerte Zwiegespräche zwischen Keyboard und
Sechssaiter, von denen ich ohne weiteres noch mehr vertragen                                                          hätte.
Wie üblich bekam auch die Rhythmussektion, mit

Schlagzeuger Björn Puls und dem holländischen Bassisten
Jasper Mortier, reichlich Platz zum Improvisieren, wobei
mir besonders der Alleingang an den dicken Saiten mit
seiner ganzen Vielseitigkeit besonders gut gefiel. Dieses
Quartett versteht sein Handwerk! Daran besteht überhaupt
kein Zweifel.

Neben diesen ausgedehnten Soloeinlagen waren auch die
übrigen Songs von einer gesunden Spielzeit geprägt, ohne
dabei in Eintönigkeit zu verfallen. Selbst die Instrumentalstücke, wie der Opener
"Surf Chipmonk" oder der wieder mal alles überragende "Boogie" (Canned Heat ließen
grüßen), der am Ende des regulären Sets stand, strotzten nur so vor Einfallsreichtum.
Hier konnten Jimmy und Fabian auf ihren Instrumenten so richtig Feuer machen.
Gelegentlich wurde musikalisch der Funk-Bereich gestreift, was das Publikum, das
sehr gut mitging und sich auch ziemlich diszipliniert verhielt, sofort in Bewegung
versetzte. Doch der Blues machte natürlich den Hauptteil des Konzertes aus. Und das
war auch gut so. Und es war auch klar, dass wieder die obligatorische Aufforderung zum
Mittanzen nicht ausblieb, was auch sehr gut (incl. der RockTimer) angenommen wurde.

Neben den Songs aus seinem letzten Album
High Priest Of Nothing wuden auch immer wieder ältere
Klassiker des 12-Takters gecovert, wobei Jimmys Vorliebe
für Albert und Freddie King zutage trat. Und auch der
unvergessene Louisiana Red war im Programm vertreten,
mit dem Jimmy Reiter des Öfteren zusammen auf der
Bühne gestanden hatte. Wie schon beim letzten Konzert
beeindruckte mich erneut das Johnny Heartsman-Cover
"Move On Down The Line". Ohne das Original zu kennen,
strahlte der Song ein unglaubliches Feeling aus. Es wird
wirklich allerhöchste Zeit, dass ich mich mal mit der Musik dieses im Jahr 1996 verstorbenen Mannes
befasse. So vergingen die über zwei Stunden wie im Fluge. Wir bedanken uns ganz herzlich bei
Jimmy Reiter für das stimmungsvolle Konzert und die problemlose Akkreditierung.

Line-up:
Jimmy Reiter (guitar, vocals)
Fabian Fritz (keyboards)
Jasper Mortier (bass, backing vocals)
Björn Puls (drums, backing vocals)

 

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